Freitag, 20. August 2010

Heimweg

Die gefahrene Route meiner Reise. Knapp 7000km in 20 Tagen. Die roten Punkten stellen Übernachtungen dar.



Die unglaublich netten und witzigen Briten, die ich traf und mit denen ich ganz viel Zeit verbrachte, als ich eigentlich "nur" noch nach Hause fahren wollte. :-)

Ronny und ich vor dem 55Tonnen Truck. Ich bin das erste Mal in einem so grossen Truck mitgefahren - da leuchten die Kinderaugen trotz Müdigkeit. Die schwedischen Trucks sind übrigens länger (um ca. 5m) und schwerer (um 15t) als die Deutschen. :-)


Als ich morgens im Hostel in Oslo aufwache, sind die meisten Zimmergenossen schon am Packen oder bereits weg. Es ist 10Uhr und ab 11Uhr muss man den Folgetag mitzahlen erfahre ich. Mache mich schnell fertig und schaffe es rechtzeitig ohne Probleme. Fruehstuecken bei einem spärlichen aber guenstigen Buffet. Ein Zimmergenosse (aus Bayern) den ich dort zufällig nochmal treffe, berichtet mir, dass er für eine Stunde starkes Sodbrennen nach dem Essen dort hatte. Diese Info kommt für mich leider zu spät, ich esse weiter und bleibe zum Glueck verschont. Anschliessend beginne ich mit den 3 Disziplinen meines heutigen Triathlons.

1. Koffer (je gefühlte 20Kg) bis zur Motorradwerkstatt tragen: die 10min mit der Tram und normale 15Gehminuten entfernt ist. Ich benötige gefühlte 2 Stunden, da ich die schweren Koffer ständig absetzen muss. Nachdem ein Pickupfahrer seine Hilfe verweigerte, frage ich einen Passanten, der auf dem Weg zum Büro zu sein scheint. Er übernimmt einen Koffer und der restliche Weg ist ein gefühltes Kinderspiel, weil wir uns gut unterhalten. In der Werkstatt klappt alles reibungslos und ich starte um 14Uhr aus Oslo um nun den Heimweg anzutreten. Bis nach Rödbyhaven (von dort will ich die Faehre nach Fehmarn nehmen) sind es gut 700km. Die versuche ich heute zu schaffen!

2. Motorradfahren: Ich fahre ca. 150km und muss wegen heftigem Regen und fast leerem Tank einen Stop machen. An der Tanke treffe ich auf 2 sehr nette Engländer - Vicky und Steve. Jetzt beginnt die 3. Disziplin:

3. 90min Quatschen: Wir unterhalten uns prächtig und haben viel Spaß. Die beiden wollen in 3 Monaten mit einem Motorrad durch Europa fahren. Da sie am Anfang ihrer Reise sind, kann ich ihnen meine Erfahrungen berichten, worüber sie sich freuen und einiges vieleicht auch mal ansteuern wollen. Wir scherzen viel und unser Humor ergänzt sich gut.

2. Nochmal fahren: Wir fahren nun gemeinsam in einem perfekten Tempo weiter Richtung Sueden über die Schwedische Grenze. Nach 80km stoppen wir, denn die beiden wollen hier Campen. Nun folgt nochmals Disziplin 3:

3. Wir quatschen wieder viel und haben unendlich viel Spass bevor wir uns verabschieden und die beiden mich für verrueckt erklären noch weiter zu fahren. Denn die Strassen sind meist nass und es ist bereits 19Uhr. Ich tue es, denn ich habe mein Tagesziel in Disziplin 2 (Motorradfahren) noch lange nicht erfüllt. Wir tauschen Kontaktdaten, denn die Beiden wollen auf ihrer Reise auch Berlin sehen. :-)

2. Fahren: leider alleine, doch die Musik im Kopfhörer ist gut. Die Strassen sind meist noch nass aber es regnet nicht mehr. Ich schaffe viele Kilometer. Es wird dunkler und ich reisse mich noch mal zusammen und schaffe nach dem letzten Tank-/Essstop nochmal einige Kilometer. Es ist 23Uhr und ich kann nicht mehr. Das wird mir zu riskant. Ich halte an einer Tanke an. Es halten einige Trucks und ich spreche den Fahrer eines schwedischen Trucks an.
"Entschuldigung? Ich bin Motorradfahrer und muss morgen in Hannover sein. Ich kann nicht mehr. Ist es möglich, dass sie mich ein Stueck mitnehmen?" Er meint dass sein 55Tonnen Truck eigentlich voll sei. Er schaut nochmal. Tür vom Trailer auf und dahinter verbirgt sich der Freiraum für genau ein Motorrad. *grosse Augen bekomm* Er meint:"Hol dein Motorrad auf die Laderampe!" Gesagt, getan und ich fahre vorne im 30m langen schwedischen Truck mit Ronny suedlich von Goeteborg ca. 180km bis Malmö. Wir erzählen viel, denn er ist auch Motorradfahrer. Und ich finde Trucks ja auch iwie spannend. :-) Er lädt mich dann um 1Uhr in Malmö ab und ich hätte noch ca. 250km bis nach Roedbyhaven in Daenemark. Erinnere mich aber an den Hinweis meines Dads, dass in Trelleborg eine Nachtfähre nach Deutschland geht. Trelleborg ist nur 30km entfernt. Die schaffe ich eben noch. Fahre hin und finde den Hafen schnell. Checke ein und habe Glück, die Faehre geht in 60min. Perfekter kann ein Plan nicht funktionieren. Obwohl es gar nicht mein Plan war. :-) In der Schlafkabine ausgeruht und morgens an Board gefruehstueckt, fahre ich die restlichen 250km mehr schlecht als recht aufgrund des dichten Verkehrs bis nach Alfeld bei Hannover zu meinen Eltern. Auf dem Weg statte ich der Hildesheimer Zeitung einen kurzen Besuch ab (hallo Anja) und freue mich auf zu Hause. :-)
Brauche eine Weile bis ich alles realisiere. Das wird wohl noch ne Weile dauern. :-)


Resumé: ich bin in 20 Tagen gut 6500km gefahren. Mein Motorrad hatte keine Probleme gemacht, so soll eine Honda Transalp sein. :-) Es hat mir viel Spass gemacht, die vielen Menschen und Charaktere kennen zu lernen. Auch die Natur und das Reisen war toll. Ich werde so etwas sicher so schnell wie möglich wiederholen....

Ich moechte diesen Blog auch noch dazu nutzen, den Menschen zu danken, die mich in irgend einer Weise unterstuetzt oder mir geholfen haben. Sei es meine Familie, Freunde oder Bekannte. Jede Hilfe, ob technischer, medizinischer, sozialer oder sonst irgendeiner Art oder sei es "nur" ein Gespräch, waren fuer mich viel Wert, denn es hat diese Reise zu dem gemacht, was es geworden ist. Vielen Dank dafür ! ! ! :-) Bis bald....

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